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Abschied nach 35 Jahren - Heiner Dirks von der Evangelischen Jugendhilfe Osnabrück geht in den Ruhestand

Das Leben ein Stück weit mehr genießen möchte der bisherige Chef der Evangelischen Jugendhilfe Osnabrück, Heiner Dirks, der am 29. September in den Ruhestand verabschiedet wird.

Osnabrück. Nach 35 Jahren in verschiedenen Funktionen, zum Schluss bei der Evangelischen Jugendhilfe Osnabrück (EJH), wird Heiner Dirks am Donnerstag, 29. September, in den Ruhestand verabschiedet. Dirks war stets im Bereich Jugendarbeit beschäftigt und seit 2010 Geschäftsführer der Gesellschaft, die heute zur Diakonie Osnabrück gehört.

Junge Menschen zwischen 15 und 21 Jahren begleiten und fördern die Mitarbeiter des Haus am Schlehenbusch seit 1964. Hier begann Heiner Dirks 1982 als Psychologe zu arbeiten: „Ich wollte ursprünglich Betriebswirtschaft studieren und habe in letzter Minute umgeschwenkt “, so Dirks, der klinische Psychologie studierte, Psychotherapeut und bis Ende September Geschäftsführer der Evangelische Jugendhilfe Osnabrück ist: „Heute besteht meine Arbeit wieder aus viel Betriebswirtschaft, so schließt sich der Kreis", resümierte Dirks. Unabhängig davon habe ihm sein Fachwissen aus dem Studium stets geholfen, die verschiedenen Einrichtungen fachlich und wirtschaftlich zu leiten.

Netzwerke und neue Angebote
Beim Blick zurück stellte Dirks fest: „Es gab große Veränderungen im Bereich Kinder- und Jugendhilfe. Früher war jede Einrichtung für sich abgeschottet, heute gibt es Netzwerke.“ Zudem habe die Vernetzung der Institutionen die Entwicklung neuer Angebote erst möglich gemacht. Den „Umbau der Strukturen und einen besseren Personalschlüssel“ hob Dirks als positive Entwicklungen der letzten 35 Jahre hervor: „Früher gab es stationäre und ambulante Einrichtungen im Bereich der Kinder- und Jugendhilfe, aber nichts dazwischen. Heute haben wir ein breit gefächertes Angebot“, so Dirks. Anstoß für Veränderungen sei einerseits ein geändertes Kinder- und Jugendhilfegesetztes gewesen. Andererseits hätten Mitarbeiter auch das alte System aufbrechen und die Kinder- und Jugendhilfe besser in die Gesellschaft integrieren wollen. „Das hat in den 80er Jahren mit dem betreuten Wohnen angefangen“, erinnerte sich Dirks.

Krippenbau und Fachkräftemangel
Eine weitere Herausforderung kam mit dem Kinderkrippengesetz 2006: „Wir waren die ersten, die in Osnabrück eine Krippe eröffnet haben“, berichtete Dirks und fügte hinzu: Während vor rund zehn Jahren der Aufbau der Kitas im Fokus seine Arbeit gestanden habe, gäbe es nun eine Diskussion bezüglich der Qualität. Davon abgesehen habe sein Geschäftsbereich im Sommer zwar zehn neue Stellen besetzen können, Fachkräftemangel sei dennoch ein Thema, sagte Dirks, der dennoch insgesamt ein positives Resümee zog: "Ich wollte in meiner Dienstzeit den Kita-Bereich auf einen guten Weg bringen, und der läuft gut."

Jugendliche mit Vermittlungshemmnissen
Auf gute Erfolge kann Dirks auch im Bereich „Berufliche Maßnahmen“ zurück schauen: „Wir haben 60 Ausbildungs- und Integrativplätze sowie eine Vermittlungsquote von 70 bis 80 Prozent aus der Ausbildung heraus.“ Doch es sei ein „mühsames Geschäft, Arbeitsplätze für die Jugendlichen zu finden, die selbst "Vermittlungshemmnisse“ mitbrächten. „Das muss auch gesellschaftlich gewollt sein“, gibt Dirks zu bedenken.

Unbegleitete Flüchtlinge
Als weitere Herausforderung für die Kinder- und Jugendhilfe nannte Dirks die Betreuung von jungen, unbegleiteten Flüchtlingen. Sein Bereich betreue über 30 dieser Flüchtlinge, zumeist junge Männer. In Bezug auf diese ist sich Dirks sicher, das "A und O" seien Sprachkurse in ausreichender Form. „Viele sind sehr motiviert und wollen den deutschen Ansprüchen gerecht werden. Das ist ein wichtiger Ansatzpunkt, um sie zu erden“, so Dirks, der in diesem Zusammenhang auch darauf hinwies, dass die Diakonie diese neue Aufgabe Dank der Zusammenarbeit der verschiedenen, bestehenden Einrichtungen gemeistert hat – ohne neue Strukturen aufzubauen.

Herausforderung Ganztagsschulen
Apropos Strukturen: Neue Strukturen erfordert auch die Einrichtung offener Ganztagsschulen, die immer öfter die bisherige Kombination aus Schule plus Hort am Nachmittag ersetzt. "Wir sind inzwischen in zehn Ganztagsschulen in Stadt und Landkreis Osnabrück aktiv, die Horte sind rückläufig", berichtete Dirks, der auch für diesen Bereich bisher zuständig war. Den Unterschied beschrieb er wie folgt: "Der Hort war von der Schule abgekoppelt, jetzt ist die Betreuung am Nachmittag viel mehr in die Schule integriert, wir begegnen uns auf Augenhöhe." In Sachen Ganztagsschule seien erste Schritte gemacht, und die Ganztagsschule in Eversburg beispielsweise sei auf dem Weg zum Erfolg.

Chef von 350 Mitarbeitern
Doch nicht nur die gesetzlichen und gesellschaftlichen Rahmenbedingungen haben sich in 35 Jahren entsprechend verändert: „So groß, wie wir inzwischen sind, ist es mitunter eine Herausforderung, alles im Blick zu haben: Unsere Arbeit ist sehr kleinteilig und jeder Teil braucht seine Aufmerksamkeit", erklärte der Chef von über 350 Mitarbeitern, der zum Schluss noch eine weitere positive Entwicklung lobte: "Früher gab es jeweils starke Vorbehalte der Kommunen gegenüber den Trägern. Heute habe wir einen engen Draht zur städtischen Verwaltung."

Keine Langeweile
Und was macht Dirks nach seiner Verabschiedung? "Ich möchte das Leben ein Stück weit mehr genießen", berichtete dieser. Außerdem wolle er mehr Zeit mit seinen Enkeln verbringen und seinen Hobbies nachgehen. "Ich habe keine Angst, dass mir langweilig wird", so der künftige Ruheständler.

Die Fakten
Heiner Dirks begann am 1. April 1982 als Psychologe im Haus am Schlehenbusch zu arbeiten, und übernahm dessen Leitung im Sommer 1990. Im Dezember 1999 übernahm er zusätzlich die Geschäftsführung des Evangelischen Kinderheimvereins. Dieser wurde später aufgelöst und ging in der 2007 gegründeten Evangelischen Jugendhilfe Osnabrück auf. 2003 übernahm Dirks die Geschäftsbereichsleitung der Jugendhilfe im Diakoniewerk. Und im Sommer 2010 wurde er Geschäftsführer der Evangelischen Jugendhilfe Osnabrück. Vorher war die Jugendhilfe ein integrierter Bestandteil des Diakoniewerkes.

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